Tagebuch einer Hundetrainerin

Tagebuch einer
Hundetrainerin Von Daniela Tschepe
Wie wird man Hundetrainer? Der Weg ist sicherlich bei jedem Menschen individuell verschieden, bei mir war es auf jeden Fall sehr schnell so, dass die Begeisterung - „Ich will etwas mit Tieren tun!“ - der Einsicht wich, dass die Arbeit sich zu einem sehr großen Teil mit Menschen beschäftigt. Das umfasst natürlich in erster Linie den Hundebesitzer, der mit seinem Vierbeiner vor mir steht. Will man dann aber tiefer in die Probleme eintauchen gibt es noch einige Menschen mehr die Einfluss auf den Hund, sein Verhalten und seine Erziehung genommen haben.
Auch wenn ich nie selbst gezüchtet habe, ist es doch wichtig für mich, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Nicht selten stehe ich vor Erziehungsproblemen, die sich bei näherer Betrachtung hätten vermeiden lassen können.
Wer heute Hunde züchtet, züchtet sie meist für die Familie, als Freund und Partner im Alltag für Menschen, die der Natur noch nicht abgeschworen haben oder sie gerade neu entdecken. Das verlangt zum Teil Enormes von unseren heutigen Hunden, die sich an viele Umwelteinflüsse anpassen müssen – physisch wie auch psychisch.
In dieser Serie geht es um wahre Begebenheiten, so wie sie tagtäglich in meiner Hundeschule geschehen. Vielleicht ist das ein Anreiz für den einen oder anderen Züchter, über den Tellerrand zu schauen, wie es mit seinen Welpen so weitergeht, wenn sie ihre Wurfkiste verlassen, um in die große, weite Welt zu ziehen.
Wenn neue Welpen einen Kurs beginnen ...
Spaß sollte sie eigentlich machen, die Welpengruppe. Und nun sitzt er da, der kleine Zwerg von 13 Wochen und findet das bunte Treiben um ihn herum einfach nur doof. Mit dem Rücken zum Zaun hat er sich geschworen, heute garantiert nicht mitzumachen und einfach abzuwarten, bis er von den anderen Welpen, den neuen Gerüchen und Geräuschen wieder weg kann.
Wenn neue Welpen einen Kurs beginnen, ist ihr Verhalten ganz unterschiedlich. Die
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einen sind noch nicht ganz zum Tor rein, da rennen sie auch schon los und toben durch die Gegend. Der nächste bleibt abwartend stehen und denkt erst einmal darüber nach, warum das Gegenüber so ganz anders aussieht als seine Geschwister. Es dauert ein, zwei Augen- blicke, aber dann siegt die Neugierde, und bereits nach einer Viertelstunde werden Freundschaften geschlossen und wird zusammen der Tunnel erobert.
Bringt man dann beispielsweise ein Wackelbrett ins Spiel, gibt es wieder die einen, die wie selbstverständlich darauf balancieren (weil sie es vielleicht auch schon bei ihren Züchtern kennenlernen durften), und die anderen, die erst einmal zugucken und eine Ermunterung brauchen. Ja, und dann gibt es solche wie den Zwerg, den ich letztendlich aus der Gruppe herausnehmen muss, weil es einfach zu viel für ihn ist. Er blockt ab, jeder Reiz ist zu viel für ihn, ein Lernen ist einfach nicht möglich. Die Bemerkungen seiner Besitzer machen mich stutzig und ich hake noch einmal nach, und dann ist die Sache klar für mich: Die Leute haben ihn mit acht Wochen vom Züchter geholt und seitdem, also fünf Wochen lang, vor der Umwelt „beschützt“. Er kennt das Haus und den Garten und sonst nichts. Seit fünf langen Wochen hat er keinen anderen Hund gesehen, kaum fremde Menschen, keine neuen Gerüche oder Geräusche erlebt. Als Nachsatz kommt dann noch der berühmte und nicht auszurottende Satz mancher Tierärzte: „Warten Sie nach der zweiten Impfung noch eine Weile, bevor Sie den mit anderen Hunden zusammen lassen, man weiß ja nie!“
Ja, doch, man weiß es schon. Welpen, die über Wochen nicht gefördert werden und keine neuen Reize erfahren, erleiden einen Schaden, der sich kaum mehr reparieren lässt.
Die Sache ließ mir keine Ruhe
Da die Sache mir keine Ruhe ließ, rief ich abends die Züchterin an. Da ich den Zwingernamen des Hundes wusste, hatte ich keine Schwierigkeit, diese zu finden. Als ich von der ersten Stunde ihres“ Welpen erzählte, fiel sie aus allen Wolken. Sie hatte keine Ahnung! Über 25 Jahre Welpengruppen liegen hinter mir und wenn man mich nach Krankheiten fragt, die in der Zeit aufgetreten sind, muss ich lange überlegen. Wenn es mal zu Fällen von Zwingerhusten in der Gegend kam, ereilte es im Allgemeinen die Junghunde im Zahnwechsel, deren Immunsystem nicht fit war. Staupe Parvovirose Nein, tut mir leid, ich kann mich an keinen Fall erinnern. Impfungen sind wichtig, aber zu viel Vorsicht bedingen einen Hund mit noch ganz anderen Problemen, im schlimmsten Fall mit Auswirkungen auf ein ganzes Leben. Die Züchterin des besagten Welpen war sehr dankbar für meinen Hinweis, sie hatte sich mit ihrer Aufzucht sehr bemüht, einen sicheren und aufgeschlossenen Welpen abzugeben. Ob sie es geschaft hat, die Besitzer wieder auf einen guten Weg zu bringen, weiß ich leider nicht. Ich habe den Hund nicht mehr gesehen.
Welpenerwerbern kann man leider wie allen Menschen nicht in den Kopf gucken, aber es lohnt sich auf jeden Fall für jeden Züchter, regelmäßig in Kontakt zu bleiben und nach den Erlebnissen der Woche zu fragen. Nur so lassen sich Fragen schnell klären, und mit kleinen Tipps und Anregungen geht es oft genug schon wieder mit mehr Motivation und Sicherheit in die richtige Richtung!